zehn euro

eines der schönsten features von berlin ist das ausgeprägte späti-netz. wenn man sonntags um 12.oo ein bier kaufen möchte, geht man in den späti seines vertrauens und holt es sich. genau das hatte ich vor, hatte aber kein bargeld dabei. also zur bank vorher. im raum mit den self-service terminals hatten sich 3 personen eingerichtet. eine frau hielt mir die tür auf und wünschte mir guten abend. ein mann schlief auf den boden an einen kontoauszugsdrucker geschmiegt. ein weiterer saß, den rücken gegen die heizung gelehnt und starrte vor sich hin. nachtasyl.

seit 3 jahren kenne ich den zustand oberflächlich. nicht wirklich vergleichbar. ein tag – nicht tage, wochen, jahre. ich arbeitete in lübeck und wohnte zur untermiete. mein mietvertrag ging 2 wochen, dann musste ich meine wohnung wechseln. kein ding. springender punkt: zwischen beiden mietverhältnissen gab es eine lücke von einem tag. ich fragte einen freund. er hatte ein freies sofa. fertig war der lack. der tag kam, mein freund hatte noch einen termin in hamburg, sollte um 24.oo in lübeck eintreffen. ich wartete in einer kneipe. um o.3o machte die kneipe zu, mehrere telefonate landeten auf der mailbox, ich stand auf der staße. schnee fiel. wo ist es warm, trocken und sicher? ich ging zur sparkassen-filiale in der breiten straße und setzte mich in den raum mit den bankomaten. es gab sogar eine bank da. luxus. ich konnte mir nicht vorstellen, dass mein freund unsere verabredung vergessen hat. verabredungen dieser art vergisst man nicht, oder? 2.3o war ich mir nicht mehr so sicher und ziemlich müde und legt mich hin. ich hatte ja alle meine sachen bei mir, also doppelten pullover an, mütze über die augen ziehen und tauchstation. ging gut. war sofort eingeschlafen. um circa 4.3o wurde ich vom sicherheitsdienst geweckt. überraschend freundlich. sie sagten mir: ich müsse leider gehen, ich würde den bewegungsmelder im raum triggern, die sicherheitskamera hätte den ganzen abend gefilmt, der speicher sei voll, das hätte einen alarm ausgelöst. ich also um 4.3o auf die straße. das einzige offene hotel war das mövenpick am bahnhof. ich checkte um 5.oo dort ein. der mann an der rezeption war höchst skeptisch, ich musste sofort und mit kreditkarte zahlen. 11o€ für 4 stunden schlaf. schnäppchen. super frühstücksbuffet. mein freund hatte mich einfach vergessen. hammer.

die menschen in meiner sparkassenfiliale hat kein freund vergessen. und sie können auch nicht ins nächste hotel einchecken, wenn sie keinen bock mehr auf sparkasse haben oder der sicherheitsdienst sie rausschmeißt. für sie ist das keine episode über die sie auf wordpress schreiben werden. es ist ihr leben, ihr alltag.

ich hab der frau am eingang einen 10er in die hand gedrückt. sie hat sich gefreut. ich hab mich beschissen gefühlt.

in der sparkasse
schlafen sie jeden tag
ich kauf mir mein bier