sind wir noch zusammen?

gestern ist der versuch auf eine demostrationn (#fsa14) zu gehen für mein gefühl gescheitert.

du stehst in diesem menschenhaufen und willst gutes. und vermutest, dass auch der rest gutes will. irgendeine teenieband spielt pseudoaggressives affirmationsmaterial auf der bühne, die, so ein sprecher, 40.000€ gekostet hat. er bittet um spenden. ok. interessant. die zielgruppe ist offesichtich spendenwilliges publikum mit zeit und genügend empörungspotential, um an einem samstag auf einer straße zu stehen.

das geht irgendwie an mir vorbei.

in mir der gedanke dass die ohne macht – irgendein ritual befolgend, eine abmachung – auf die straße gehen müssen, um sich sichtbar zu machen, sichtbar zu sein, gezwungen sind sich zu exponieren, während der relevante diskurs im verborgenen geführt wird. unzugänglich für interventionen. die, von denen er geführt wird, bleiben im hintergrund und haben das privileg der unsichtbarkeit, sind nicht erreichbar. ich dagegen bin es: auf fotos, in videoaufzeichnungen, funkzellenabfragen und dergleichen. und kann belangt werden, falls die menge um mich herum mist baut und ich mich nicht distanziere. das gibt dem recht auf versammlungsfreiheit einen beigeschmack. ich fühle mich festgelegt auf die zugehörigkeit zu einer masse, die ich nicht bin. kollektivierung hatten wir schon zu oft.

dann werden auf der bühne eine reihe von reden gehalten, von personen, die nach irgendwelchen kriterien relevant sind. das niveau der beiträge triggert in mir fremdscham. in der schule habe ich mich besser auf meine referate vorbereitet. laienprotest gegen hoch professionelle zusammenhänge: das erscheint alles so naiv und vergeblich. zur gleichen zeit sind mir professionelle „protest & hilfe gmbh’s“ wie greenpeace und das rote kreuz hoch suspekt, weil sie kritisierte struktur eins zu eins in ihrem organisationalem aufbau replizieren und zu wirtschaftsunternehmen werden. mit werbung und lobbying und all diesen nicht so schönen begleiterscheinungen.

auf twitter werden fotos gepostet, auf denen putin befürworter mit ihren schildern auf der demo zu sehen sind. vor der demonstration war die frage aufgeworfen worden, warum die überwachung von migranten nicht thematisiert wird. ein irgendwie wichtiger (?) mensch vergreift sich im ton und macht die veranstaltung angreifbar. alles verständlich und gut. dennoch unglücklich: die machtlosen kritisieren sich gegenseitig, was im besten fall auf lange sicht produktiv wird. das timing für kritik ist im seltensten fall – wenn man es nett beschreiben möchte – optimal. so entseht nach als außenwirkung das bild eines heterogenen haufens, der nicht mal sich selbst koordinieren kann und auf keinen fall mit einer stimme spricht.

und warum sollte man einzelen zuhören. majority rules.

dem gegenüber hermetische verlautbarungen offizieller verantwortlicher, geäußert von teflon pressesprechern, einschläferndes geräusch ohne inhalt.

was bleibt, ist das verstörende bild und der krach der protestler, im gegensatz zur meditationsraute und dem netten föhnwellenbuddha der koalition.

 

status quo: beton
im herz und auch im gehirn
gegen bewegung

 

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