tnt

a 115. dreilinden. ehemaliger grenzübergang. wir stehen mit dem alten corsa eines freundes auf dem leeren parkplatz des jetzigen zollamtes. der alte grenzübergang und seine gebäude haben ihre ehemalige funktion eingebüßt. die farben sind verblichen und matt. die zeit ist weiter gezogen. hier hält niemand mehr an. hier wird niemand mehr kontrolliert. das ist vorbei. über die autobahnbrücke quälen sich sonntagsjogger. in grellfarbenen plastikanzügen kämpfen sie schwitzend und hechelnd gegen den eigenen verfall. vergeblich, wenn man die körperhaltungen genauer betrachtet. das hängt in den bändern und sackt bei jedem schritt ein wenig mehr in sich zusammen. aber aufgeben will niemand. nicht heute. nicht bei kaiserwetter. nicht an diesem sonntag.

wir lehnen am auto und rauchen. augen zu. die sonne scheint ins gesicht und ist warm. die autos rasen in rudeln an uns vorbei.

er biegt um die ecke. wir bemerken ihn nicht. wir gucken in die andere richtung. dann hören wir es: „tnt, dynamite“…

jeansanzug. rucksack. nach vorn übergebeugt. in der windstille stemmt er sich in den gegenwind. schritt um schritt. alle zehn sekunden „tnt, dynamite“. er guckt nicht nach links, nicht nach rechts, läuft quer über den leeren parkplatz. und er brüllt. „tnt, dynamite“. dann: „heil hitler“. hand in den nicht vorhandenen wind zum gruß. absurd. kein adressat, kein erkennbares ziel. eine zz-top-hitler-monade läuft über einen leeren und funktionslosen autobahnrasthof und brüllt seinen text in das geräusch der vorbeifahrenden autos. die szene dauert 3o sekunden. er verschwindet hinter leerstehenden grenzkontrollhäuschen „tnt, dynamite“…

die zigarette ist alle. wir fahren weiter.

im sonntagswetter
mit stechschritt und hasstourette
auf dem weg ins nichts

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