currywurst mit pommes

und dann steh ich da und zerr mir ne doppelte currywurst mit pommes rein. hastig. egal. treibstoff. als mich auf einmal jemand anspricht. er hat drei google-maps-ausdrucke in der hand. miese druckqualität. schwarzweiß. er suche hier eine adresse. die michaelkirchstraße 15. ich sag zu ihm: ich wohn noch nicht so lange hier, ich glaub aber das ist in richtung spree, in richtung kater holzig und deute die richtung mit meiner hand an. er erwidert: ja, da sei er grad schon gewesen, aber da sei eine baustelle. er redet in abgebrochenen halbsätzen. ich frage ihn was genau er sucht, ob ich vielleicht was helfen kann? er sagt, er sucht die kleiderkammer. ein bauarbeiter, der auch seine currywurst vernichtet, mischt sich ein: ja, die kleiderkammer sei schon dort gewesen, aber nun schon länger nicht mehr da…

das gesicht des jungen verändert sich, er wirkt nervös, man sieht dass er schwitzt, er schaut seine google-ausdrucke an und redet ins halbnichts: er sei ohne fahrschein auf risiko hergefahren, der sozialdienst für obdachlose hätte ihn hier her geschickt, er solle sachen für seine oma abholen. ich frage ob er noch die anderen adressen versuchen will. er sagt mir: die haben alle schon zu, deshalb sei er zu dieser hier gefahren. ich sage: ich komm mal mit, wir schauen uns das noch mal an. er hat recht. die 15 ist eine baustelle. ich habe in erinnerung, dass irgendwo dort in der nähe der berufsverband für soziale arbeit sitzt. richtig. zwei häuser weiter. ich bitte den jungen um die ausdrucke. er sagt er kommt aus dortmund und findet berlin zu groß. ich sage: ja, auch wenn man hier wohnt kann man sich gut verlaufen. gemeinsam gehen wir in die lobby des gebäudes. ich spreche die frau am empfang auf die kleiderkammer an. ja, die sei schon seit ein paar jahren dicht. der junge empört: warum steht das denn trotzdem noch falsch im internet. jetzt sei er völlig umsonst auf risiko und ohne fahrschein hier her gefahren. für nichts. ich frage nach, ob wir von hier aus die nummer auf dem ausdruck anrufen dürfen. er hat kein telefon. meins liegt auf dem schreibtisch im büro. sie stutzt kurz und wählt dann. sie gibt mir den hörer. das fax fiept in mein ohr. ich zu ihr: das war die faxnummer. sie: oh, sie könne nicht mehr so gut sehen. dann habe ich den betreiber der kleiderkammer am ohr. ja, die filiale in der michaelkirchstraße sei schon länger nicht mehr dort, die nächste in moabit. ich notiere die adresse auf seine google-zettel. wir gehen aus dem gebäude. ich geb dem jungen einen zehner für fahrscheine und bitte ihn nicht schwarz zu fahren. ich möchte nicht, dass er vierzig euro dafür bezahlt seiner obdachlosen oma in einer fremden stadt sachen aus der kleiderkammer zu holen. er hat mich beobachtet und gesehen, dass es mein letzter schein war. er protestiert. ich sage ihm: passt schon. wir laufen gemeinsam vor zur ecke köpenicker straße michelkirchstraße. ich sage zu ihm: hier runter gehts zur u-bahn. er, schüchternstolz, das habe er sich eingeprägt. auf einem der zettel stehen die u-bahnlinien mit denen er zu seiner freundin und dann zu seiner oma nach haus kommt. wir geben uns die hand und laufen los. jeder seinen weg.

mitten in berlin
vom sozialstaat gefickt
oma, obdachlos

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