einmal hin und zurück

und nach dem tor zur hölle links. du gibst dein herz ab. du springst. du fällst. du wachst auf. alles ist wie immer. der neue tag beginnt nicht, sondern immer ein gebrauchter, abgenutzter und er riecht nach suff und panik und dir. er riecht nach regen und der ruhe in deinem arm. nach dem ende der sehnsucht. nach dem tod im leben und einem stern. und während die kugel auf deinen kopf zurast mit genau 3428 kilometern pro stunde und für die 10 zentimeter bis zu deiner schläfe 38 jahre 6 monate 24 tage 17 stunden 43 minuten 12 sekunden braucht und dein letzter gedanke ist, das hätten wir uns alle sparen können, geht die sonne wieder auf. zum selben tag. jetzt bist du auch noch ein feigling. wie viel seele kann man verspielen, denkst du und dass du nicht damit gerechnet hast, dass man über dekaden hinweg ausbluten kann bei 7 litern. die wahrheit ist: dich gibt es nicht. und mich auch nicht. wir waren nie da. ich anders als du. aber das macht keinen unterschied für das gefühl. und dann die klarheit über den unsinn. und dann der schwarze zorn über die nichtigkeit all dessen. und dann die zigarette die ich mir in der armbeuge ausdrücke, um zu beweisen dass da etwas ist, das man zerstören kann. und dann schwimmst du auf einem floß und paddelst mit den händen gegen den strom. du bewegst genau nichts. und während dessen stirbt ein stern in dir.

wenn du erst mal springst
der mond so rot als wie ein
sonne gibt es nicht

currywurst mit pommes

und dann steh ich da und zerr mir ne doppelte currywurst mit pommes rein. hastig. egal. treibstoff. als mich auf einmal jemand anspricht. er hat drei google-maps-ausdrucke in der hand. miese druckqualität. schwarzweiß. er suche hier eine adresse. die michaelkirchstraße 15. ich sag zu ihm: ich wohn noch nicht so lange hier, ich glaub aber das ist in richtung spree, in richtung kater holzig und deute die richtung mit meiner hand an. er erwidert: ja, da sei er grad schon gewesen, aber da sei eine baustelle. er redet in abgebrochenen halbsätzen. ich frage ihn was genau er sucht, ob ich vielleicht was helfen kann? er sagt, er sucht die kleiderkammer. ein bauarbeiter, der auch seine currywurst vernichtet, mischt sich ein: ja, die kleiderkammer sei schon dort gewesen, aber nun schon länger nicht mehr da…

das gesicht des jungen verändert sich, er wirkt nervös, man sieht dass er schwitzt, er schaut seine google-ausdrucke an und redet ins halbnichts: er sei ohne fahrschein auf risiko hergefahren, der sozialdienst für obdachlose hätte ihn hier her geschickt, er solle sachen für seine oma abholen. ich frage ob er noch die anderen adressen versuchen will. er sagt mir: die haben alle schon zu, deshalb sei er zu dieser hier gefahren. ich sage: ich komm mal mit, wir schauen uns das noch mal an. er hat recht. die 15 ist eine baustelle. ich habe in erinnerung, dass irgendwo dort in der nähe der berufsverband für soziale arbeit sitzt. richtig. zwei häuser weiter. ich bitte den jungen um die ausdrucke. er sagt er kommt aus dortmund und findet berlin zu groß. ich sage: ja, auch wenn man hier wohnt kann man sich gut verlaufen. gemeinsam gehen wir in die lobby des gebäudes. ich spreche die frau am empfang auf die kleiderkammer an. ja, die sei schon seit ein paar jahren dicht. der junge empört: warum steht das denn trotzdem noch falsch im internet. jetzt sei er völlig umsonst auf risiko und ohne fahrschein hier her gefahren. für nichts. ich frage nach, ob wir von hier aus die nummer auf dem ausdruck anrufen dürfen. er hat kein telefon. meins liegt auf dem schreibtisch im büro. sie stutzt kurz und wählt dann. sie gibt mir den hörer. das fax fiept in mein ohr. ich zu ihr: das war die faxnummer. sie: oh, sie könne nicht mehr so gut sehen. dann habe ich den betreiber der kleiderkammer am ohr. ja, die filiale in der michaelkirchstraße sei schon länger nicht mehr dort, die nächste in moabit. ich notiere die adresse auf seine google-zettel. wir gehen aus dem gebäude. ich geb dem jungen einen zehner für fahrscheine und bitte ihn nicht schwarz zu fahren. ich möchte nicht, dass er vierzig euro dafür bezahlt seiner obdachlosen oma in einer fremden stadt sachen aus der kleiderkammer zu holen. er hat mich beobachtet und gesehen, dass es mein letzter schein war. er protestiert. ich sage ihm: passt schon. wir laufen gemeinsam vor zur ecke köpenicker straße michelkirchstraße. ich sage zu ihm: hier runter gehts zur u-bahn. er, schüchternstolz, das habe er sich eingeprägt. auf einem der zettel stehen die u-bahnlinien mit denen er zu seiner freundin und dann zu seiner oma nach haus kommt. wir geben uns die hand und laufen los. jeder seinen weg.

mitten in berlin
vom sozialstaat gefickt
oma, obdachlos